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Pressestimmen - Das Web-Adressbuch für Deutschland

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Web-Adressbuch für Deutschland – Power-Tipp oder Papiertiger?

Die Gutenberg-Galaxis schlägt zurück – mit der 17. Auflage des "Web-Adressbuch für Deutschland" gibt es auch im Jahr 2014 noch so etwas wie die Gelben Seiten des Internets. Erhältlich als 700-Seiten-Wälzer auf Papier, in diesem Jahr aber erstmals auch als elektronische Version im epub-Format. Insgesamt enthält das Web-Adressbuch knapp 6.000 Einträge. Herausgeber Mathias Weber versteht sich als Perlentaucher des digitalen Alltags zwischen Aachen und Zypern, zwischen Absinth und Zusatzstoffen, zwischen Angeln und Zungenreinigung. Um nur mal wenige Beispiele aus dem Stichwortverzeichnis zu nennen. Das Versprechen lautet schlicht: die "besten Perlen aus den Tiefen des Internets", vor allem auch "Surftipps, die bei den Suchdiensten im Netz gar nicht oder nur sehr schwer zu finden sind". Als die Abhöraffäre Ende 2013 ihrem vorläufigen Höhepunkt entgegenköchelte, riet der m.w. Verlag sogar: "Schlagen Sie dem US-Geheimdienst NSA ein Schnippchen: und surfen Sie mit dem gedruckten (!) Web-Adressbuch im Internet!".

Das war dann der Claim, der mich überzeugt hat, tatsächlich mal ein Rezensionsexemplar zu bestellen. Vorher hatte mich schon die Zusendung eines Fax-Formulars per Papierpost fasziniert, mit dem man Änderungen oder Aktualisierungen zum Web-Adressbucheintrag zurückmelden kann. Um überhaupt in die Yellow Pages aufgenommen zu werden, kann man einen "Aufnahmeantrag" stellen – manchmal, wie im Fall von E-Book-News, wird man aber auch vorab von der Redaktion ausgewählt. Also Schluss mit dem verräterischen Selbstgoogeln, denn jetzt kann ich mich im Web-Adressbuch ganz konspirativ selbst nachschlagen. Im Kapitel "Aktuelle Trends im Netz", das dem eigentlichen, alphabetisch geordneten Verzeichnis vorangeht, findet sich unter der Rubrik "E-Books" in der 17. Auflage tatsächlich ein kurzer Eintrag: "Online-Magazin zum Thema E-Books: Marktentwicklungen, Rezensionen, Reader-Vergleiche und Urheberrechtsfragen". Dazu ein Screenshot der E-Book-News-Startseite mit einer Schlagzeile aus dem August 2013 (durch die nun indirekt auch boox.to im Webadressbuch gelandet ist).

Die restlichen Einträge zum Thema E-Books wie auch E-Book-Shops sind eher beliebig, besonderer Hingucker: das inzwischen abgeschaltete torbooks.org ist mit dabei ("Neuigkeiten rund um E-Books und Wochencharts"). Einen wirklichen Überblick zum Thema erhält man zumindest in diesem Fall nicht. Einen ähnlich eklektischen Eindruck machen auf mich aber auch viele andere Rubriken des Web-Adressbuchs. Eigentlich kein Wunder: Das deutschsprachige Internet zugleich umfassend aber auch repräsentativ im Detail abzubilden, dürfte längst jede noch so große Redaktion überfordern – in diesem Fall haben sich insgesamt vier Personen daran versucht. Nicht umsonst ist ja auch online die Zeit der großen Webkataloge längst vorbei, dagegen erfreuen sich eng umgrenzte thematische Linklisten, erstellt von Leuten, die sich in ihrem Umfeld gut auskennen, immer noch großer Beliebtheit. Und auch der Weg vom Web zum Buch kann durchaus Sinn machen, wenn der Content gut kuratiert wird – wie zuletzt etwa Kevin Kellys "Katalog der Möglichkeiten" gezeigt hat.

Das Web-Adressbuch dürfte aber aus mindestens zwei Gründen noch ein Weilchen überleben. Zum einen vermittelt es Silversurfern das Gefühl, den sonst so körperlosen Cyberspace tatsächlich einmal haptisch in den Griff bekommen zu können. Zugleich simuliert der tausend Gramm schwere Wälzer durch tief gestaffelte Kategorisierungen wie auch die redaktionelle Auswahl das aus der Gutenberg-Galaxis gewohnte Gefühl von Hierarchie, Autorität und Expertise. Viele kleinere und größere Firmen halten es wohl auch für wichtig, nicht nur in den echten Gelben Seiten zu stehen, sondern auch im Seriosität vermittelnden Web-Adressbuch. Sie schicken deswegen nicht nur Rückmeldeformulare per Fax, sondern sichern sich natürlich auch ein gedrucktes Exemplar, um es neben den Gelben Seiten, Telefonbuch und Postleitzahlverzeichnis ins Regal zu stellen.


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